Verivox Studie: Altersarmut – Diese Rentner sind besonders betroffen

fr.de: Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt noch immer 16 Prozent weniger als Männer – eine Differenz mit fatalen Langzeitfolgen. Zum heutigen Equal Pay Day verdeutlichen neue Umfragen, dass das geschlechtsspezifische Lohngefälle weit über das Berufsleben hinausreicht und die Angst vor Altersarmut massiv schürt.

Die Lohnlücke wird zur Rentenfalle – warum Frauen pessimistischer in die Zukunft blicken

Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen seit Jahresbeginn umsonst gearbeitet haben, während Männer bereits seit dem 1. Januar bezahlt werden. Doch hinter den nackten Prozentzahlen der Lohnstatistik verbirgt sich eine tiefe Verunsicherung bei der Altersvorsorge.

Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Instituts INNOFACT im Auftrag von Verivox zeichnet ein düsteres Bild: Fast die Hälfte aller Frauen in Deutschland (47 Prozent) schätzt ihre finanzielle Absicherung im Rentenalter als „schlecht“ oder „sehr schlecht“ ein. Im Vergleich dazu blickt die Mehrheit der Männer (57 Prozent) optimistisch in die Zukunft; bei ihnen sorgt sich lediglich gut jeder Dritte (35 Prozent) um eine unzureichende Vorsorge. Die Skepsis zieht sich durch alle Lebensbereiche: Insgesamt befürchten 66 Prozent der Frauen, ihren Lebensstandard im Alter drastisch einschränken zu müssen.

Die Angst wächst mit den Berufsjahren

Besonders alarmierend ist die Entwicklung über die verschiedenen Altersgruppen hinweg. Je näher der Ruhestand rückt, desto deutlicher wird vielen Frauen die Tragweite der Gehaltsunterschiede bewusst. Sorgt sich bei den Frauen zwischen 18 und 29 Jahren nur ungefähr jede dritte Frau (39 Prozent) um ihre Absicherung, so sind es in der Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren bereits 47 Prozent. Bei den Frauen zwischen 50 und 79 Jahren, die sich kurz vor oder schon im Ruhestand befinden, bewertet jede zweite Frau dann ihre finanzielle Lage als besorgniserregend. Zwar nehmen die Sorgen mit steigendem Alter auch bei Männern zu, sie verharren jedoch auf einem deutlich niedrigeren Niveau.

Die Spar-Falle – wenn für die Vorsorge nur das Kleingeld bleibt

Die ungleiche Bezahlung während des Erwerbslebens schlägt sich eins zu eins in der privaten Vorsorge nieder. Zwar ist das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Zusatzrente bei beiden Geschlechtern vorhanden – rund 67 Prozent der Deutschen geben an, privat vorzusorgen –, doch bei der Höhe der monatlichen Sparraten klafft eine gewaltige Lücke.

Für viele Frauen bleibt die private Altersvorsorge ein Kraftakt mit schmalem Budget. Die Statistik zeigt ein klares Bild der Begrenzung – 42 Prozent der Frauen können monatlich maximal 100 Euro beiseitelegen (jeweils 21 Prozent sparen Beträge bis 50 Euro bzw. bis 100 Euro). Hohe Sparraten sind die Ausnahme, nur magere 9 Prozent der Frauen schaffen es, monatlich mehr als 200 Euro für ihren Lebensabend zu investieren.

Männer hingegen profitieren von ihren im Schnitt höheren Einkommen und verfügen über deutlich mehr finanziellen Atem. Während bei den Frauen kaum jede Zehnte die 200-Euro-Marke knackt, ist dieser Anteil bei den Männern mit 18 Prozent mehr als doppelt so hoch. Dieser Unterschied in der monatlichen Sparleistung potenziert sich über die Jahrzehnte durch den Zinseszinseffekt massiv. Wer monatlich 200 Euro statt 50 Euro investiert, verfügt am Ende nicht nur über das Vierfache, sondern oft über ein Vielfaches an Rendite.

Die Zahlen verdeutlichen: Es mangelt Frauen nicht am Willen zur Vorsorge, sondern schlicht am verfügbaren Kapital. Solange die Lohnlücke besteht, bleibt die private Altersvorsorge für viele Frauen ein Tropfen auf den heißen Stein. Umso wichtiger wird die Auswahl kosteneffizienter Anlageformen, damit von den kleinen Sparbeträgen nicht auch noch ein Großteil in Bankgebühren versickert.

Die unsichtbare Krise – warum Altersarmut in Deutschland weiblich ist

Während der Equal Pay Day die Lohnlücke im Berufsleben anprangert, zeigt sich im Alter die volle Härte der Statistik: Frauen erhalten in Deutschland im Schnitt rund ein Drittel weniger Rente als Männer. Diese „Gender Pension Gap“ führt dazu, dass Altersarmut ein überwiegend weibliches Gesicht hat. Die nackten Zahlen der Deutschen Rentenversicherung sind eindeutig: Frauen kommen in Westdeutschland oft auf eine monatliche Altersrente, die kaum zum Leben reicht, wenn keine private Vorsorge oder ein Partner vorhanden ist. Doch die Gründe dafür sind nicht mangelnder Fleiß, sondern tief in unserer Gesellschaft verwurzelte Strukturen.

Die drei Säulen der Rentenfalle

Drei Gründe führen dazu, dass Frauen im Alter oftmals arm dastehen. Da ist zunächst einmal die Erwerbsbiografie. Frauen unterbrechen ihre Karriere deutlich häufiger für die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen. Diese „Care-Arbeit“ wird gesellschaftlich geschätzt, schlägt sich aber kaum in Rentenpunkten nieder. Hinzu kommt die Teilzeit-Falle – Deutschland ist Europameister bei der Frauen-Teilzeit. Was oft als Vereinbarkeit von Familie und Beruf beginnt, führt langfristig zu einer Stagnation des Rentenkontos. Wer nur 50 Prozent arbeitet, zahlt auch nur 50 Prozent in die Rentenkasse ein – bei oft geringerem Stundenlohn.
Zusätzlich wirkt die übermäßige Beschäftigung im Niedriglohnsektor. Frauen arbeiten überproportional häufig in sozialen Berufen, im Dienstleistungssektor oder im Handel. Diese Branchen sind historisch schlechter bezahlt als technische oder industrielle Berufe, was die Basis für die spätere Rente massiv schmälert. (Quellen: t-online, Zeit, bmbfsfj.de)

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