Trawa Studie „Energiemonitor Mittelstand“: Mittelgroße Industrie entdeckt Großspeicher für sich

energate-messenger.de: Im energieintensiven Mittelstand herrscht großes Interesse an stationären Großspeichern. Wohl auch, weil die Energiekosten vielen energieintensiven Mittelständlern als derzeit „größte Herausforderung“ gelten, erwägen etliche dieser Betriebe, solche Großbatterien anzuschaffen. Als größte Hinderungsgründe gelten wiederum die Anschaffungskosten und Unklarheit über Amortisationszeiten von Batteriespeichern. Dies sind Kernergebnisse einer aktuellen Studie der Marktforschungsagentur INNOFACT im Auftrag des Berliner Energiedienstleisters Trawa. Dafür befragten die Marktforscher rund 300 Verantwortliche von kleineren und mittleren Firmen aus verschiedenen Branchen, deren jährlicher Stromverbrauch überwiegend bei 2 GWh oder höher liegt.

Demnach setzt jedes vierte befragte Unternehmen heute schon auf eine Großbatterie zur Flexibilisierung von Beschaffung und Verbrauch. Weitere 46 Prozent gaben an, über die Anschaffung nachzudenken. Zu diesem Bild passt, dass auch der Markt mit Batteriespeicher-Projektierern, die sich gezielt an Industriebetriebe richten, wächst. Jeder fünfte in der Trawa-Studie befragte Betrieb hat die Anschaffung wiederum bereits geprüft, dann jedoch verworfen. Dabei nannten 71 Prozent zu hohe Anschaffungskosten als wichtigstes oder zweitwichtigstes Argument gegen einen Batteriespeicher. Die Rotationszeit galt 40 Prozent als größter oder zweitgrößter Hinderungsgrund. Zu lange Vorlaufzeiten bei Genehmigungen und Realisierung nannten knapp 50 Prozent als zentrales Gegenargument.

Planbarkeit klassischer Tarife steht hoch im Kurs

Dazu passt, dass eine große Mehrheit von 75 Prozent der Studienteilnehmer bei der Beschaffung auf klassische Festpreistarife setzt. Dabei gaben 25 Prozent an, an dieser Beschaffungsstrategie nichts ändern zu wollen. Die Hälfte aller Studienteilnehmer allerdings gab sich an dieser Stelle offen für flexible Bestandteile in der Beschaffungsstrategie. Wiederum 25 Prozent sind demnach bereits mit dynamischen Komponenten in der Strombeschaffung unterwegs. Bemerkenswert: 6 Prozent letzterer Unternehmen gaben an, auf einen Festpreistarif wechseln zu wollen.

Unter denjenigen Betrieben, die sich gegen flexible Beschaffungsmodelle aussprechen, gilt ein Mangel an Kostenplanbarkeit als wichtigstes Argument, an Festpreistarifen festzuhalten. 78 Prozent der Festpreisbefürworter stimmten dieser These „voll und ganz“ oder „eher“ zu. 56 Prozent derer, die Festpreistarife bevorzugen, halten flexible Beschaffungsmodelle für zu komplex. 52 Prozent führten Personalmangel als Grund dafür an, sich gegen flexible Beschaffung zu entscheiden.

Industriestrompreis: Kritik an Beihilfe-Bürokratie

In der Debatte um die mittlerweile genehmigten staatlichen Beihilfen gab es schon im Vorfeld vielfältige Kritik an der Ausgestaltung des Industriestrompreises, beispielsweise von der DIHK. Diese kritische Sicht auf das Förderinstrument spiegelt sich auch in der Trawa-Befragung wider. So erachtet eine große Mehrheit von 81 Prozent der Studienteilnehmenden den bürokratischen Aufwand für entsprechende Anträge als zu hoch. Zugleich gaben 76 Prozent an, die mit der Beihilfe erzielbare wirtschaftliche Entlastung sei zu gering. Ohnedies kommt der Industriestrompreis laut Studie nur bedingt beim Mittelstand an. Darauf verweist auch David Budde, Gründer und Geschäftsführer von Trawa: „Obwohl die befragten Unternehmen allesamt zu den energieintensiven Branchen zählen, ist weniger als die Hälfte für den von der Politik in Aussicht gestellten Industriestrompreis berechtigt.“

Helfende staatliche Eingriffe erwünscht

In Zahlen gaben lediglich 48 Prozent an, dass sie die Kriterien erfüllen. 11 Prozent wissen nicht, ob dies der Fall ist. Antragsberechtigt sind energieintensive Unternehmen ausgewählter Branchen, die auf der sogenannten KUEBLL-Liste stehen und somit den EU-Leitlinien für betreffende Beihilfen entsprechen. Auf der Liste steht vor allem die klassische Schwerindustrie. Insgesamt enthält die Liste 91 Branchen aus den Bereichen Grundstoffchemie, Stahl, Metallverarbeitung, Glas-, Keramik- und Zementherstellung sowie Papier. Ferner berechtigt sind Teile der Nahrungsmittelindustrie sowie des Maschinenbaus und des Bergbaus. Dabei wünscht sich auch der Mittelstand helfende staatliche Eingriffe. Dem stimmen 64 Prozent der Befragten „voll und ganz“ oder „eher“ zu.

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