Schweiz Tourismus Studie: Erkenntnisse aus Umfrage – Bedeutung des Tourismus unbestritten

plattformj.ch: Der Tourismus ist in Grindelwald mehrheitlich akzeptiert, und sein wirtschaftlicher Nutzen wird klar anerkannt. Dies zeigt eine repräsentative Befragung, die im März durchgeführt wurde. Sie macht aber auch deutlich: Nicht die grundsätzliche Bedeutung des Tourismus ist umstritten, sondern der Umgang mit Belastungen in Spitzenzeiten.

In der Zeit vom 3. bis 22. März wurden 1710 Haushalte in Grindelwald angeschrieben und eingeladen, ihre Meinung zum Tourismus und dessen Akzeptanz zu teilen. Alle einheimischen Haushalte konnten dafür einen Onlinefragebogen ausfüllen. Im Infozentrum wurden technische Geräte sowie Unterstützung bereitgestellt, sodass niemand von der Umfrage ausgeschlossen war. Der Rücklauf betrug 20 Prozent und liegt gemäss Marktforschungsinstitut INNOFACT deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Studien. Insgesamt konnten 343 Online-Interviews ausgewertet werden, die repräsentative und belastbare Aussagen ermöglichen.

Mehrheitlich getragen

«Die Umfrage zeigt, dass der Tourismus in Grindelwald mehrheitlich getragen wird», fasst Bruno Hauswirth, Direktor von Grindelwald Tourismus, zusammen. «Ebenso klar ist aber auch, dass die Akzeptanz anspruchsvoller geworden ist. Belastungen in Spitzenzeiten müssen ernst genommen und gemeinsam mit den zuständigen Partnern weiter reduziert werden.»

Positive Grundhaltung

Die Grundhaltung gegenüber dem Tourismus bleibt mehrheitlich zustimmend. Zwei von drei Personen äussern sich positiv oder eher positiv zur Branche. Das ist eine tragfähige Ausgangslage, zumal die Auswirkungen der Tourismuswirtschaft differenziert beurteilt werden: 45 Prozent der Einschätzungen fallen eher positiv, 43 Prozent eher negativ aus. Die Umfrage zeigt damit keine Ablehnung, sondern eine ausgewogene und zugleich aufmerksamere Haltung.

Bedeutung anerkannt

Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Tourismus wird deutlich anerkannt. 88 Prozent sehen ihn als wichtig für den finanziellen Wohlstand, 87 Prozent für zusätzliche Wertschöpfung in lokalen Betrieben und 85 Prozent für Arbeits- und Ausbildungsplätze. 84 Prozent halten ihn zudem für wichtig für den Erhalt und die Belebung des Wohnorts. Auch die Gemeindefinanzen stützen diese Einordnung: Die fiskalischen Erträge sind seit 2016 um über 70 Prozent gestiegen. Das ist kein alleiniger Beweis für touristische Wertschöpfung, aber ein starkes Indiz für gewachsene Einkommen, Gewinne, Liegenschaftswerte, Grundstückerträge und wirtschaftliche Aktivität. Damit wird sichtbar: Grindelwald hat nicht nur Belastungen getragen, sondern auch erhebliche Wertschöpfung erzielt.

Mehrwert im Alltag

Auch im Alltag zeigt sich eine positive Wahrnehmung: 64 Prozent sagen, der Tourismus sorge für ein attraktives Freizeit- und Kulturangebot. Viele Einheimische nutzen Infrastrukturen wie Bahnen, Einkaufsmöglichkeiten, Veranstaltungen oder touristische Angebote ebenfalls. 60 Prozent beschreiben ihre persönlichen Begegnungen im Dorf mit Gästen als positiv, und 71 Prozent sind stolz darauf, dass Grindelwald für Gäste aus aller Welt attraktiv ist.

Fokus Sommer

Während Grundhaltung und Bedeutung positiv bewertet werden, zeigt die saisonale Betrachtung ein anderes Bild. Im Herbst und Winter findet rund die Hälfte die Gästezahl im Ort gerade richtig, im Frühling sind es 61 Prozent. Im Sommer hingegen geben 89 Prozent an, das Besucheraufkommen sei eher hoch oder zu hoch. Die Erfahrung aus anderen Alpenorten zeigt, wie ungelenkte Foto-Hotspots private Wege, Hofbänke und Wiesen belasten. Damit geht es weniger um ganzjährigen Overtourismus als um Spitzen und darum, wann Gäste kommen, wie sie anreisen, wo sie sich bewegen und wie stark sich Nachfrage auf Dorf, Verkehr und Infrastruktur konzentriert.

Wo drückt der Schuh?

So erstaunt nicht, dass «Tourismus und Besucheraufkommen» im Sorgenbarometer zuoberst stehen, gefolgt von «Verkehr und Infrastruktur». Kummer bereiten auch «Wohnraum und Mietpreise» sowie die Umweltbelastung. Diese Themen zeigen: Tourismusakzeptanz hängt nicht nur von Gästeinformation ab, sondern stark von strukturellen Fragen.

Mitverantwortung, nicht Alleinursache

«Bei diesen Punkten trägt der Tourismus eine Mitverantwortung, ist jedoch nicht deren alleinige Ursache», ordnet Hauswirth ein. Verkehr, Infrastruktur, Wohnraum und Mietpreise hätten mehrere Ursachen. In Grindelwald würden diese Themen durch die touristische Nachfrage aber stärker sichtbar und in Spitzenzeiten konzentrierter spürbar. Gefordert seien deshalb alle relevanten Partner: Tourismus, Behörden, Bahnen, Betriebe, Grundeigentümer und Bevölkerung. Ein gemeinsames Vorgehen für ein respektvolles Miteinander wird in der Befragung von 90 Prozent als sinnvoll erachtet.

Verkehr als Schlüsselthema

Besonders deutlich wird dies beim Verkehr. Besucherlenkung, Parkierung, ÖV, Anreiseverhalten und Entlastung des Dorfkerns gehören zusammen. Auch die Mitwirkung zum Ersatz der Firstbahn hat gezeigt, wie zentral Verkehrsfragen sind. Viele Eingaben betrafen Zufahrt, Wegfahrt, Parkierung, ÖV-Anreise und Dorfzentrum. Die Gemeinde Grindelwald nimmt die Anliegen auf und hat mit dem Dialogverfahren Verkehr einen wichtigen Prozess angestossen. Die abschliessende Sitzung findet im Juni 2026 statt; anschliessend wird das weitere Vorgehen definiert. Für die Tourismusakzeptanz ist entscheidend: Erwartet werden konkrete, gezielte Verbesserungen bei Lenkung und Koordination.

Vieles auf dem Weg

Grindelwald Tourismus hat Gästesensibilisierung und Besucherlenkung in den vergangenen Jahren gezielt verstärkt. Dazu gehört die Kampagne «We take care», die in Zusammenarbeit mit der Bauernvereinigung Grindelwald entwickelt wurde. Sie soll Gäste für Rücksichtnahme gegenüber Landwirtschaft, Natur und Bevölkerung sensibilisieren.

Gäste leiten

Etabliert sind bereits das Gästeleitsystem sowie die Grindelwald Assistants, also Personen, die in den Sommermonaten bei der Orientierung helfen und für ein angenehmes Miteinander sensibilisieren. Solche Massnahmen sind wichtig, sie ersetzen aber keine strukturellen Antworten. Entscheidend bleiben auch Verkehrskoordination, Parkraummanagement, stärkere öV-Nutzung, Information vor der Anreise und die Zusammenarbeit mit Gemeinde, Bahnen und Betrieben.

Bestätigung wie Auftrag

«Grindelwald Tourismus versteht die Ergebnisse als Bestätigung und Auftrag zugleich», betont Hauswirth. Der Tourismus bleibe für Grindelwald von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig müssten die Belastungen ernst genommen und die bestehenden Massnahmen weiterentwickelt werden. Im Zentrum steht damit nicht die Frage, ob Grindelwald Tourismus will. Diese Frage beantwortet die Umfrage deutlich: Der Tourismus bleibt breit verankert.

Entscheidend ist, wie der Tourismus künftig geführt wird – mit mehr Lenkung, mehr Rücksicht auf Spitzenbelastungen, einer stärkeren Abstimmung mit Verkehr und Infrastruktur und einem klaren Fokus auf die Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung. «Gleichzeitig zeigt die geopolitische Lage, dass sich die Nachfrage rasch verändern kann: Es bleibt eine Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig, denn Krisen können kurzfristig zu spürbaren Einbrüchen führen», so Hauswirth. Umso wichtiger ist eine breite Marktausrichtung, mit der Grindelwald gezielt Klumpenrisiken reduziert.

Das steckt hinter der Studie

Die Ergebnisse beruhen auf einer Online-Befragung, die vom unabhängigen Marktforschungsinstitut INNOFACT durchgeführt wurde. In Auftrag gegeben wurde die Studie von Schweiz Tourismus im Rahmen einer nationalen Trackingstudie zur Sensibilisierung gegenüber dem Tourismus. Die Durchführung erfolgte in Zusammenarbeit mit der Regional Tourism Alliance.

Bei der Einordnung der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass sich an solchen Umfragen erfahrungsgemäss eher Personen beteiligen, die sich vom Thema besonders angesprochen fühlen. Entsprechend können sowohl sehr positive als auch sehr negative Meinungen überrepräsentiert sein. Deshalb ist davon auszugehen, dass ein grosser Teil der Bevölkerung dem Thema Tourismusakzeptanz eine geringere Bedeutung beimisst beziehungsweise sich weniger stark betroffen fühlt und an solchen Umfragen nicht teilnimmt.

Grindelwald Tourismus verschickte die Ergebnisse der Umfrage per Promo-Post an alle Haushalte in Grindelwald und plant, diese künftig alle zwei Jahre durchzuführen.
Weitere Informationen: www.grindelwald.swiss/tourismusakzeptanz

(Zur Meldung)

© Copyright 2026 INNOFACT AG - Das MarktVORSPRUNGSinstitut