Raisin Studie: Sparsamer Heiraten
spiegel.de: Weniger ist weniger: Die Zahl der Hochzeiten in Deutschland sinkt kontinuierlich, und auch die Ausgaben für Essen, Trinken, Blumenschmuck und Musik nehmen ab, ergibt eine aktuelle Umfrage unter Ehepaaren.
Überall muss gespart werden – sogar beim Heiraten: Wie aus einer Umfrage im Auftrag des Finanzdienstleisters Raisin hervorgeht, planen Paare ihre Hochzeit in letzter Zeit deutlich zurückhaltender als in den vergangenen Jahren. Durchschnittlich würden inzwischen nur noch 60 Gäste zu den Festlichkeiten eingeladen, anstatt wie ehemals 70, berichtet das Marktforschungsinstitut INNOFACT, das 500 Personen in Deutschland befragte, die seit 2024 geheiratet haben oder bis Ende 2027 noch heiraten wollen. Zudem sind die kalkulierten Ausgaben pro Kopf auf durchschnittlich 103 Euro gesunken. Im Vorjahr waren es noch 128 Euro. 29 Prozent der Paare gaben an, das Budget für Fotografie und Videografie kürzen zu wollen. 26 Prozent planten, bei Dekoration und Blumen zu sparen, 25 Prozent bei Musik und Unterhaltung.
Bei der Finanzierung ihrer Hochzeiten sind viele Paare der Umfrage zufolge auf die Unterstützung durch Verwandte, Freunde oder auf Geldgeschenke der Gäste angewiesen. Über 20 Prozent der bereits verheirateten Befragten gaben an, dass die Geldgeschenke mehr als 50 Prozent der Kosten gedeckt hätten. Lediglich etwa die Hälfte der Hochzeitskosten wird durch eigene Ersparnisse gedeckt. 36 Prozent der Befragten nehmen offenbar sogar Schulden auf, um die Ringe zu tauschen. 9 Prozent setzen auf ihren Dispositionskredit, etwa 8 Prozent nehmen Ratenzahlungen oder Kredite in Anspruch. »Nur ein Viertel der Befragten spart länger als drei Jahre. Fast ein Fünftel spart gar nicht. Dabei lohnt es sich, früh mit dem Sparen anzufangen«, sagt Raisin-Vorständin Katharina Lüth. Mit Glück starteten Mann und Frau dann sogar mit einem Überschuss in den neuen Lebensabschnitt.
Lange Zeit konnte es beim Bund fürs Leben nicht groß und ungewöhnlich genug sein: Strandhochzeit auf den Malediven, Ringtausch auf dem Katamaran in der Ägäis, bimmelnde Hochzeitsglocken über den Hügeln der Toskana. Damit scheint es nun vorbei zu sein. Die Zahl der Eheschließungen sinkt seit Jahren. Laut jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts heirateten 2024 in Deutschland 349.200 Paare – ein historischer Tiefststand. 1950 warenes mit rund 750.000 noch mehr als doppelt so viele Hochzeiten. Dafür ist das durchschnittliche Alter bei der ersten Hochzeit in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Waren Männer Anfang der Siebzigerjahre bei der ersten Eheschließung im Schnitt noch etwa 25 Jahre und Frauen etwa 23 Jahre alt, heiraten Männer heute durchschnittlich mit 35 Jahren, Frauen mit 33 Jahren.



