Limited Editions sind mehr als ein Gag

pressebox.de: Kurz verfügbar, heiß begehrt: Limited Editions haben sich im Lebensmittelregal zu einem spannenden Sortimentsimpuls entwickelt. Laut einer aktuellen Studie von INNOFACT hat bereits mehr als jeder zweite Konsument bei den exklusiven Sonderprodukten zugegriffen.

In der dynamischen Konsumgüterbranche haben sich Limited Editions als festes Instrument etabliert, um Aufmerksamkeit zu erregen und kurzfristige Umsatzimpulse zu setzen. Limited Editions sind im Grunde die Sonderauftritte eines Produkts: zeitlich oder in der Menge begrenzte Varianten innerhalb derselben Marke und Produktkategorie, die sich sichtbar von der Standardversion abheben. Im Lebensmitteleinzelhandel sind das meist nur für kurze Zeit oder in begrenzter Stückzahl erhältliche Lebensmittel – etwa spezielle Sorten, saisonale Geschmacksrichtungen oder aufmerksamkeitsstarke Sonderverpackungen –, die gezielt mit Exklusivität und Neuigkeitswert spielen.

Eine aktuelle Studie der INNOFACT AG unterstreicht nun die Relevanz dieses Instruments: Mehr als jeder zweite Konsument (55,4 %) hat bereits mindestens einmal eine Limited Edition im Lebensmittelbereich erworben. Insgesamt 22 Prozent sehen einen Einfluss auf ihr Kaufverhalten und fast ein Drittel empfindet den Einkauf dadurch als spannender. Dabei sind sogar knapp 40 Prozent der Befragten bereit, mehr für Limited Editions zu zahlen.

Frauen als treibende Kraft der Neugier

Der Blick auf die Geschlechterverteilung offenbart dabei deutliche Unterschiede in der Akzeptanz und im Kaufverhalten. Frauen zeigen sich gegenüber Limited Editions deutlich aufgeschlossener als Männer. Während knapp die Hälfte der Männer (49,7 %) angibt, schon einmal eine Limited Edition gekauft zu haben, liegt dieser Anteil bei den Frauen mit 61 Prozent signifikant höher.

Auch in der grundsätzlichen Wahrnehmung haben die weiblichen Konsumenten die Nase vorn: Rund 36 Prozent von ihnen bewerten Limited Editions als (sehr) positiv, verglichen mit knapp 31 Prozent bei den Männern. Der stärkste Kaufmotivator über alle Gruppen hinweg ist die Neugier auf neue Sorten oder Geschmacksrichtungen (64,6 %). Hier zeigen Frauen mit rund 74 Prozent ein wesentlich stärkeres Interesse als Männer (55 %).

Die junge Zielgruppe: Zwischen Erlebniskauf und FOMO

Besonders attraktiv sind Limited Editions für die junge Zielgruppe der 18- bis 34-Jährigen. In dieser Alterskohorte haben bereits zwei Drittel (66,4 %) eine Limited Edition gekauft. Mit zunehmendem Alter sinkt die Kaufbereitschaft tendenziell: Bei den 35- bis 54-Jährigen sind es rund 61 Prozent, während sie bei den 55- bis 69-Jährigen auf 40 Prozent fällt.

Für die jungen Konsumenten spielt der psychologische Faktor dabei eine entscheidende Rolle. Denn sie stimmen der Aussage, dass Limited Editions den Einkauf spannender machen, deutlich häufiger zu (40,2 % vs. 31,7 % im Gesamtdurchschnitt Top-2-Box). Zudem ist die sogenannte „Fear of Missing Out“ (FOMO), also die Angst, etwas zu verpassen, in dieser Gruppe am stärksten ausgeprägt. Dieser Wert liegt bei den 18- bis 34-Jährigen bei fast 21 Prozent und sinkt bei den 55- bis 69-Jährigen deutlich auf einen Wert von rund sieben Prozent. Das deutet darauf hin, dass dieses Tool ein Weg sein könnte, junge Zielgruppen an die eigenen Produkte heranzuführen. Christian Thunig, Managing Partner vom durchführenden Institut INNOFACT betont: „Gerade wenn es um die Verjüngung der Marke geht, können Limited Editions ein spannender Hebel sein.

Erfolgsfaktoren und Risiken für den Handel

Was muss nun eine Limited Edition bieten, um am Regal zu überzeugen? Der Limited Editions-Check offenbart: Neben der Neugier (64,6 %) motivieren Mehrwerte wie „Exklusivität und Einzigartigkeit“ (31,1 %), eine auffällige Verpackung (25,2 %) sowie die Marke (22,1%) zum Kauf.

Allerdings sollten Hersteller und Händler auch die Schattenseiten beachten. Die künstliche Verknappung ist gleichzeitig ein wesentlicher Kritikpunkt, nämlich die mangelnde Verfügbarkeit: Rund 53 Prozent der Befragten geben an, dass es sie frustriert, wenn ein Produkt, das sie mögen, nicht dauerhaft verfügbar ist. Dieser Wert verdeutlicht, dass der künstliche Verknappungshebel zwar den Absatz kurzfristig steigern kann, aber bei den treuen Fans der Sorte auch zu Unmut führen kann. Denn immerhin halten es über 90 Prozent derer, die bereits mal eine Limited Edition gekauft haben, für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, dass sie bei Gefallen noch einmal zugreifen würden.

Und welche Arten von Limited Editions sind besonders erfolgversprechend? „Mehr Inhalt oder Bonusmengen“ sprechen rund 64 Prozent der Konsumenten an, gefolgt von saisonalen Produkten wie Sommer- oder Wintereditionen (54,4 % Top2) oder neuen Geschmacksrichtungen (52,7 % Top2).

Was eher schwach ausgeprägt ist: Influencer- oder Promi-Editionen. Sie rangieren ganz am Ende. Das ist überraschend, beherrschen diese Damen und Herren doch häufig die Diskussion.

Fazit für die Praxis

Limited Editions fungieren zweifellos als Hebel für mehr Absatz. Zum einen um generell den Markenauftritt aufzupolieren oder sichtbarer zu werden bei Stamm- wie auch Neukunden. Zum anderen können Limited Editions Marken interessant, spannend und frisch halten, insbesondere wenn sie auf die Neugier und das Bedürfnis nach Abwechslung einzahlen. Die Studie zeigt zudem, dass ein Teil der Konsumenten durchaus bereit ist, für diese Besonderheit dabei tiefer in die Tasche zu greifen. „Um das volle Potenzial auszuschöpfen, sollten Kampagnen besonders die weibliche Zielgruppe und junge Trendsetter adressieren, ohne dabei die Frustration über die zeitliche Begrenzung aus den Augen zu verlieren“, fasst Thunig die Ergebnisse zusammen.

Zur Studie:

INNOFACT untersuchte im Juni 2026 detailliert das Konsumentenverhalten bei Lebensmitteln in Deutschland. Auf Basis einer repräsentativen Stichprobe von 1.022 Personen beleuchten die erhobenen Daten neben dem Befragungsteil zu Limited Editions primär die Einkaufshäufigkeit, bevorzugte Einkaufsorte wie Supermärkte oder Discounter sowie die individuelle Budgetverteilung für verschiedene Lebensbereiche.

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Marktforschung 2035: Auch Marktforschung folgt dem Muster der betriebswirtschaftlichen Standardisierung – ein Fachbeitrag von Christian Thunig in marktforschung.de

marktforschung.de: Vorweg: Ein solches Special wird schon einmal gerne genutzt, um das Ende von irgendwas zu kolportieren, weil dunkel bis schwarz gerne gut ankommt und als progressiv wahrgenommen wird. Das Ende der Marktforschung, wie wir sie kennen ist dabei eine der Spielarten.

Aber das sei schon einmal vorausgeschickt. Zwar kann einem immer ein Schwarzer Schwan in die Suppe spucken, aber wir können davon ausgehen, dass Marktforschung als klassische Disziplin auch in dieser Zukunftsspanne bis 2035 eine bedeutende Rolle spielen wird. Aber sie verändert ihren Schwerpunkt. Wer auf das Jahr 2035 blickt, sollte deshalb weniger über Zäsuren in der Branche sprechen als über eine neue Verteilung der Rollen: zwischen Software und Service, zwischen internen Insight-Teams und externen Instituten, zwischen Standardisierung und Spezialisierung.

Software als neuer Wertschöpfungsmotor

Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist der steigende Anteil von Software in der Marktforschung – wohlgemerkt nicht im rein prozessualen Sinn. Dass Forschung seit Jahrzehnten digital organisiert wird, ist trivial. Neu ist vielmehr, dass in Unternehmen immer häufiger eigene, dauerhaft verfügbare Research-Plattformen bereitstehen, mit denen Fachabteilungen oder Insight-Teams Forschung selbst initiieren, aufsetzen und auswerten können.

Dass Software in der Marktforschung nicht mehr nur Werkzeug, sondern ein eigener Wertschöpfungsbereich ist, zeigt auch ESOMAR: Der Verband unterscheidet in seinen aktuellen Branchenpublikationen ausdrücklich zwischen Market Research, Research Software und Business Service (früher Reporting). Nach knapp 119 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 und 129 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 wuchs die globale Insights-Industrie 2025 auf geschätzt 166 Milliarden US-Dollar. Dabei zeigen die Zahlen, dass der klassische Bereich auch noch wächst, der Software-Bereich aber deutlich stärker. Allein 2024 auf 2025 um über elf Prozent. Market Research blieb dagegen von 2022 bis 2024 auf einem gewissen Plateau mit jeweils nur rund vier Prozent Wachstum. Reporting bzw. Business Services wuchs ebenfalls, aber deutlich weniger dynamisch als der Software-Bereich.

Das ist mehr als eine statistische Feinheit. Es ist ein Signal: Marktforschung wird zunehmend als eine Funktion verstanden, die sich technologisch verstetigt und auch in den Unternehmen selbst verankert. Schon in den Vorläuferkategorien der ESOMAR-Systematik zeigte sich die Verschiebung deutlich: 2021 entfielen global rund 39 Prozent auf klassische Marktforschung, 2025 sind es nach vorläufigen Zahlen noch rund 36 Prozent. Research Software macht dagegen knapp 42 Prozent des Gesamtkuchens der Marktforschung aus. Die Gewichtverschiebung ist also deutlich zu greifen. Flankierend sei auch folgende Befragung zitiert: In einer Studie des BVM aus dem November 2025 gaben über 54 Prozent der befragten 217 betrieblichen Marktforscherinnen und Marktforscher an, Studien in Eigenregie, also DIY-Studien durchzuführen. Hier braucht es Marktforschungssoftware in Unternehmen.

Total turnover of the industry with the breakdown for the three sectors

Year Total turnover in US$ b Market Research in US$ b Research Software in US$ b Business services (Formerly reporting) in US$ b
2021 119 46 44 28
2022 133 52 50 31
2023 142 54 56 33
2024 153 56 62 35
2025* 166 60 69 37

Quelle: Esomar (* Preliminary figures – final numbers in Global Market Research 2026 coming out in mid-September.)

Das Muster betriebswirtschaftlicher Standardisierung

Das ist keine Anomalie in der Gesamtentwicklung, sondern folgt einem bekannten Muster betriebswirtschaftlicher Entwicklung. Nahezu jede Unternehmensfunktion hat in den vergangenen Jahrzehnten ihre spezifischen Software-Standards ausgebildet. Im Finanz- und Controllingbereich prägten ERP- und Planungssysteme wie SAP die Prozesse. Im Personalwesen etablierten sich HR-Suiten wie Workday, SAP SuccessFactors oder im deutschsprachigen Raum auch Lösungen aus dem Haufe-Umfeld. Im Marketing wurden CRM-Systeme wie Salesforce oder Oracle sowie Plattformen wie Adobe Experience Cloud zu organisatorischen Klammern des Arbeitsalltags – und haben nebenbei die Bedeutung der jeweiligen Abteilungen gestärkt. Software hat diese Disziplinen also nicht nur nicht ersetzt – sie hat ihre Abläufe standardisiert, beschleunigt und stärker in die Organisation integriert und Arbeit in skalierbare Routinen übersetzt. Genau an diesem Punkt steht nun auch die Marktforschung.

Laut Qualtrics nutzen oder testen inzwischen 95 Prozent der Marktforschenden regelmäßig KI-Tools. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie schnell sich Arbeitsweisen im Alltag verschieben. Man kann sicherlich feststellen: „Do it yourself“ ist keine Randerscheinung mehr, sondern ein strukturelles Modell. So wie heute niemand mehr überrascht ist, dass Finanzabteilungen mit ERP-Systemen arbeiten oder Marketing-Teams Kampagnen in ihrer eigenen Tech-Umgebung aufsetzen, wird auch Marktforschung in vielen Unternehmen als interne Plattformkompetenz selbstverständlich werden.

Was das für externe Anbieter bedeutet

Für die Branche heißt das: Wertschöpfung wandert teilweise in die Unternehmen hinein, weil dort mit Plattformen, Dashboards und KI-gestützten Workflows mehr Forschung eigenständig durchgeführt werden kann. Vor allem einfache bis mittelkomplexe Studiendesigns – Tracker, Concept Checks, Usage-&-Attitude-Studien, schnelle Zielgruppenabfragen – lassen sich so intern organisieren.

Damit wächst Marktforschung nicht weniger, sondern anders. Die operative Durchführung standardisierbarer Forschung wird stärker „softwareisiert“. Externe Anbieter müssen sich deshalb neu schärfen: Gefragt scheinen künftig vor allem zwei Typen von Anbietern: erstens hoch spezialisierte Partner für komplexe Forschungsdesigns, heikle Zielgruppen, methodisch anspruchsvolle Fragestellungen oder strategisch sensible Entscheidungen. Zweitens Anbieter, die Forschung in skalierbare Produkte, Plattformen und automatisierte Lösungen übersetzen.

Beides setzt voraus, dass Institute den Einsatz von Technologie nicht nur behaupten, sondern virtuos beherrschen. Sie müssen zeigen, dass sie IT-Tools entweder für besondere Komplexität oder für besondere Effizienz einsetzen können: also entweder bessere Antworten liefern oder dieselben Antworten deutlich schneller und kostengünstiger erzeugen. Der klassische Mittelbereich gerät sicherlich stärker unter Druck. Wer weder technologische Effizienz noch besondere methodische Tiefe bietet, wird es schwerer haben, seine Position zu verteidigen.

KI als Beschleuniger – nicht als Ersatz

Künstliche Intelligenz wirkt in diesem Prozess als Beschleuniger. Sie senkt Eintrittsbarrieren, weil sie Fragebögen, Auswertungsschritte, Textkodierung, Zusammenfassungen und erste Hypothesenbildung automatisiert. In der Konsequenz kann heute schon ein kleines Team zugespitzt formuliert zur „eigenen kleinen Mafo-Abteilung“ werden. Doch genau hier liegt auch eine wichtige Grenze: KI ersetzt nicht die Marktforschung, sondern verschiebt ihren Schwerpunkt. Je stärker Routinearbeiten automatisiert werden, desto wichtiger werden Hypothesenstärke, methodische Urteilskraft, Stichprobenverständnis, Bias-Kontrolle und strategische Einordnung. Die Forscherin oder der Forscher der Zukunft wird weniger Datenproduzent und stärker Kurator, Methodenarchitekt und Interpret (siehe auch BVM-Kongress 2026 (Human–AI Fusion: Warum qualitative Forschung im KI‑Zeitalter zum neuen Handwerk wird). Gute Forschung braucht weiterhin sauberes Design, ein Verständnis von Stichproben, Verzerrungen, Kausalität und Kontext. Die eigentliche Verschiebung liegt daher weniger darin, dass Menschen überflüssig werden, sondern darin, dass sich ihre Arbeit verlagert – weg von Routinetätigkeiten, hin zu Konzeption, Qualitätssicherung und strategischer Interpretation.

Und noch ein kleiner Exkurs: Trotz aller Euphorie über synthetische Daten und agentische Systeme wird auch 2035 ein Grundsatz gelten: Die Befragung echter Menschen bleibt das methodische Fundament der Branche. Die Diskussion zeigt, dass es auch in Zukunft keinen völligen Ersatz realer Primärdaten geben kann, sondern dass sie als Erweiterung des methodischen Instrumentariums betrachtet werden müssen. Synthetische Daten können Prozesse beschleunigen, Szenarien simulieren und gelegentlich Kosten senken. Sie brauchen jedoch reale Daten als Trainings-, Kalibrierungs- und Validierungsbasis. Die Befragung echter Probandinnen und Probanden bleibt deshalb auf absehbare Zeit das methodische Fundament.

Marktforschung bleibt – nur ihr Zentrum verlagert sich

Deshalb wird auch die klassische (Online-)Befragung nicht so schnell verschwinden. Im Gegenteil: Gerade, weil sie einfach, schnell, vergleichsweise kosteneffizient und in digitale Abläufe hervorragend integrierbar ist, passt sie ideal in das Zielbild beschleunigter Unternehmensprozesse und moderner Research-Organisationen.

Was sich ändern wird, ist nicht ihr Grundprinzip, sondern ihre Einbettung: bessere Automatisierung, stärkere Qualitätssicherung, intelligentere Stichprobensteuerung, engere Verzahnung mit CRM-, Experience- und Analytics-Systemen. Auch Panelanbieter und Sample-Plattformen werden sich entlang dieser Anforderungen weiterentwickeln – technologisch, qualitativ und regulatorisch.

Der Blick auf 2035 führt damit zu einer klaren Diagnose: Die Gewichte in der Marktforschung verschieben sich. Mehr Research wird in Unternehmen selbst stattfinden. Mehr Wert wird in Software, Plattformen und KI-gestützten Workflows entstehen. Und externe Institute werden ihren Platz vor allem dort behaupten, wo Komplexität, methodische Exzellenz und Beratungstiefe gefragt sind. Die Zukunft der Marktforschung ist deshalb hybrider, softwarelastiger und organisatorisch näher am Unternehmen als je zuvor. Genau darin liegt ihr nächster Evolutionsschritt.

Quellen

  1. ESOMAR, Global Research Report 2025 und Outlook auf 2026 (Mail vom 31.07.2026)
  2. Kongress der Deutschen Marktforschung 2026, Human–AI Fusion: Warum qualitative Forschung im KI‑Zeitalter zum neuen Handwerk wird; Autoren: Dr. Anita Petersen und Nayeli Tusche (https://www.bvm.org/jahrbuch-der-marktforschung/branchen-insights/artikelseite/human-ai-fusion-warum-qualitative-forschung-im-ki-zeitalter-zum-neuen-handwerk-wird/ )
  3. Jahrbuch der Marktforschung Schwerpunkt „Stichprobenqualität, Andreas Knappstein, Oliver Frangakos, Dr. Holger Liljeberg 2026: https://www.bvm.org/jahrbuch-der-marktforschung/branchen-insights/artikelseite/mensch-vs-bot-wie-ki-die-stichprobenqualitaet-sichert-und-marktforschung-revolutioniert/
  4. Wie gestaltet sich der Alltag von betrieblichen MarktforscherInnen? Ergebnisse einer quantitativen Umfrage im November 2025; Autor: Prof. Dr. Matthias Fank

Über die Person

Christian Thunig, Managing Partner INNOFACT AG

Christian Thunig ist Managing Partner bei der INNOFACT AG. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Markenführung und Medien. Zuvor war der diplomierte Kaufmann 17 Jahre bei der Verlagsgruppe Handelsblatt. Er ist im Herausgeberbeirat der Plattform marktforschung.de und im Vorstand des BVM, des Berufsverbands Deutscher Markt und Sozialforscher e.V. Er ist leidenschaftlicher Musiker und spielt Schlagzeug in mehreren Bands.

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„Jeder Agent ist für einen klar abgegrenzten Arbeitsschritt optimiert.“ Thorsten Diessner, INNOFACT AG

marktforschung.de: Wo liegen die Grenzen KI-gestützter Automatisierung in der Marktforschung? Wie funktioniert die automatische Umwandlung von Word-Fragebögen in lauffähige Fragebögen? Und wie schützt INNOFACT bei komplexen Treiberanalysen und Regressionen vor Halluzinationen und Datenmissbrauch? Thorsten Diessner erklärt, welche Research-Prozesse sich besonders für spezialisierte KI-Agenten eignen und welche Qualitätsrisiken bei stärkerer Automatisierung entstehen.

Viele Unternehmen experimentieren derzeit mit generativer KI. INNOFACT spricht von spezialisierten KI-Agenten entlang der Research-Wertschöpfungskette. Was ist damit konkret gemeint?

Thorsten Diessner: Mit „spezialisierten KI-Agenten“ meinen wir keine generische Chatbot-KI, sondern digitale Assistenten mit klarer Aufgabe entlang der Research-Wertschöpfungskette. Ein Agent kann zum Beispiel den Fragebogen auf Struktur und Logik prüfen, ein anderer offene Antworten codieren, ein dritter Datenqualität bewerten und ein vierter, Ergebnisse in einem Dashboard aufbereiten. Der entscheidende Punkt ist: Jeder Agent ist für einen klar abgegrenzten Arbeitsschritt optimiert. So entsteht kein „KI-Wirrwarr“, sondern ein zusammenspielender Workflow, der Qualität, Tempo und Nachvollziehbarkeit verbessert.

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Im Webinar wird die „Giftküche“ geöffnet. Welche Research-Prozesse eignen sich besonders gut für KI-gestützte Automatisierung?

Thorsten Diessner: Besonders gut eignen sich Prozesse, die standardisiert, wiederholbar und datenintensiv sind. Dazu zählen Fragebogen-Checks, offene Nennungen, Codierung, Datenbereinigung, erste Plausibilitätsprüfungen und die automatisierte Verdichtung von Ergebnissen in Dashboards. Auch die Qualitätssicherung während des Feldes ist prädestiniert für Automatisierung, weil hier Muster, Auffälligkeiten und Paradaten systematisch ausgewertet werden können. INNOFACT hat beispielsweise dafür einen KI-gestützten Quality-Check mit Data-Quality-Score, der verdächtige Antwortmuster früh erkennt und gute Daten direkt in die Auswertung lässt.

Ein Beispiel aus der Webinar-Beschreibung: Word-Fragebögen lassen sich automatisiert in kurzer Zeit umsetzen. Wie funktioniert das in der Praxis?

Thorsten Diessner: In der Praxis bedeutet das: Ein in Word erstellter Fragebogen wird so per KI vorbereitet, dass die Struktur von Fragen, Skalen, Filtern und ggf. Matrix-Elementen maschinenlesbar ist. Anschließend kann die Software den Text importieren, die Fragetypen erkennen und daraus automatisch einen lauffähigen Fragebaum oder Online-Fragebogen erzeugen. Der große Vorteil ist die enorme Zeitersparnis bei gleichzeitig weniger manuellem Übertragungsaufwand. Wichtig bleibt aber, dass Projektleiter den automatisch erzeugten Fragebogen fachlich prüfen, denn Logik, Filterführung und saubere Operationalisierung sind weiterhin entscheidend.

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Besonders spannend klingt die automatische Analyse großer Datenmengen. Wie weit kann KI heute bei Treiberanalysen, Regressionen oder komplexeren statistischen Zusammenhängen gehen?

Thorsten Diessner: Bei Treiberanalysen, Regressionen und anderen statistischen Verfahren kann KI heute sehr weit helfen, vor allem beim Vorbereiten, Prüfen, Berechnen und Interpretieren von Standardmustern. Gerade bei großen Datenmengen beschleunigt sie die Exploration, findet Auffälligkeiten und erstellt erste Hypothesen deutlich schneller als ein rein manueller Prozess. Die Grenze liegt dort, wo methodische Verantwortung beginnt: Modellwahl, Kausalinterpretation, Signifikanzbewertung und die Einordnung in den fachlichen Kontext müssen bei komplexeren Fragestellungen weiterhin von Expertinnen und Experten abgesichert werden.

KI kann also viel, aber sie ersetzt nicht das methodische Urteil. Wir gehen allerdings noch eine Stufe weiter: Mit unserem Tool INNOlyzer werden die gesamten Analysen zwar von der KI angefragt und interpretiert, die Analysen, also Regressionen, Treiber- und Clusteranalysen sowie Korrelationen, werden aber immer auf unserem Server ausgeführt. Das bedeutet zweierlei: Es passiert auf unseren erhobenen Daten und in einem geschützten, abgeschlossenen Bereich. Damit ist die Verwendung der Daten zu Trainingszwecken ausgeschlossen und auch entscheidend: Halluzinationen sind ausgeschlossen.

Welche Qualitätsrisiken entstehen, wenn Research-Prozesse stärker automatisiert werden?

Thorsten Diessner: Mit stärkerer Automatisierung wachsen vor allem drei Risiken: Erstens können schlechte Ausgangsdaten schneller und in größerem Umfang durchrutschen, wenn Prüfregeln zu lax sind. Zweitens kann die Automatisierung Scheinsicherheit erzeugen, wenn Ergebnisse nicht mehr kritisch hinterfragt werden.

Drittens besteht das Risiko, dass KI jedwede Muster sehr überzeugend darstellt, die fachlich nicht belastbar sind. Deshalb braucht es klare Kontrollpunkte, dokumentierte Regeln, menschliche Freigaben an den richtigen Stellen und eine Qualitätssicherung, die nicht erst am Ende, sondern im gesamten Prozess greift.

Warum sollte man sich das Webinar nicht entgehen lassen?

Thorsten Diessner: Man sollte sich das Webinar nicht entgehen lassen, weil dort nicht abstrakt über KI gesprochen wird, sondern konkrete Anwendungen aus dem Research-Alltag gezeigt werden. INNOFACT verspricht Einblicke in INNODash, INNOLyzer und INNOcoding sowie in die praktische Umsetzung schnellerer Insights entlang realer Workflows. Das ist besonders wertvoll für alle, die wissen wollen, wo KI heute produktiv einsetzbar ist, wo sie Zeit spart und wo sie Grenzen hat. Genau diese Mischung aus Praxisbeispielen, Prozess-Know-how und Qualitätsfokus macht das Format relevant.

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Über die Person

Thorsten Diessner, Partner – INNOFACT

Thorsten Diessner ist Partner und Leiter Innovationsentwicklung und Programmierung Chefentwickler bei der INNOFACT AG.

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marktforschung.de: Rückblick auf 2025, Ausblick auf 2026 – Teil 2 „Wir wollen bewahren und weiterentwickeln, was Marktforschung im Kern ausmacht“

marktforschung.de: Im zweiten Teil unserer Interview-Reihe verraten uns die Geschäftsführer und Verantwortlichen von GIM, StraightOne, survalyzer, (r)evolution, Quovadis, Bonsai, Produkt + Markt, INNOFACT, mindline und Sinus ihre zukünftigen Projekte und persönlichen Ziele.

Worauf freuen Sie sich 2026 besonders? Welche Projekte stehen an?

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Christian Thunig, Managing Partner von INNOFACT: Wir freuen uns auf unser Jubiläum. INNOFACT wird dann 25 Jahre am Markt sein. Unglaublich. Dafür werden wir natürlich einiges vorbereiten. Zudem freuen wir uns auf die succeet. Hier werden wir das Thema Jubiläum natürlich spielen – und vielleicht sogar mit unserer Firmenband INNOFACTION dabei sein. Derzeit muss aber noch einiges geklärt werden.

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Und welche persönlichen beruflichen Ziele verfolgen Sie?

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Christian Thunig: Weiterhin ein gutes Händchen hinsichtlich der Mannschaft, dass wir auch die nächsten 25 Jahre gut bestehen. Und das ist nicht unrealistisch: So manches Institut hat eine lange Geschichte. Kontinuität und Verlässlichkeit in der Kundenbegleitung, gepaart mit Innovation, sind gute Voraussetzungen dafür.

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marktforschung.de: Rückblick auf 2025, Ausblick auf 2026 – Teil 1 „Die Lage ist besser, als viele von uns glauben“

marktforschung.de: Wie schaut die Branche auf 2025 zurück? Was war gut, was war schwer? Und was erwartet sie für das neue Jahr? Wir haben unter anderem bei GIM, StraightOne, survalyzer, (r)evolution, Quovadis, Bonsai, Produkt + Markt, INNOFACT, mindline und Sinus nachgefragt.

War 2025 ein gutes oder ein schlechtes Jahr für Ihr Unternehmen – und warum?

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Christian Thunig, Managing Partner von INNOFACT: Im abgelaufenen Jahr konnten wir unsere Marktposition gut behaupten. Wir haben grundsätzlich einen zufriedenstellenden Auftragseingang gehabt. Dafür sind wir sehr dankbar. Unsere Breite im Kunden-Portfolio erlaubt uns eine große Resilienz auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Gleichzeitig wünschen wir uns natürlich immer mehr Wachstum. Hier sind wir sehr optimistisch, dass das kommende Jahr eine konjunkturelle Belebung bringen wird. Allein die Investitionen der Regierung werden im nächsten sicherlich Jahr Wirkung zeigen, auch wenn dann die Gesamtwirtschaft noch nicht über den Berg ist.

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Wenn Sie an 2025 denken: Was war beruflich das schönste Ereignis?

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Christian Thunig: Ein Highlight ist schwer zu nennen. Die Treue der Kunden ist hier sicherlich hervorzuheben. Die verlässliche Partnerschaft ist immer wieder bemerkenswert. Sprich: Auf der anderen Seite des Schreibtisches gibt es Menschen, die unsere Arbeit auch auf lange Sicht sehr schätzen. Wir stellen auch immer wieder fest, dass der Umgang seitens der Kunden in der Zusammenarbeit sehr wertschätzend und kollegial ist. Und das ist ein schönes Gefühl. Dafür setzen wir uns gerne täglich mit Freude ein.

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Wo standen Sie vor besonderen Herausforderungen – als Team oder persönlich?

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Christian Thunig: Die Herausforderungen sind sicherlich überall die ähnlichen: KI so in die Prozesse zu integrieren, dass sie den größten Nutzen und den größten Effekt entfalten. In diesem Zuge wird es spannend, welche Kompetenzen und Skills der Marktforschenden in Zukunft gefragt sind und welche Profile Institute entwickeln müssen. Diese Frage bewegt allerdings die Branche. Das haben wir nicht exklusiv.

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