Verivox Studie: Interesse am Festnetz-Telefon sinkt weiter

wz.de: In Deutschland greifen immer weniger Menschen zum Festnetz-Telefon. Wie eine Umfrage des Vergleichsportals Verivox ergab, nutzen nur noch 61 Prozent der Befragten zu Hause ein klassisches Telefon und damit 10 Prozentpunkte weniger als 2025.

Die Nutzung ist schon seit längerem rückläufig, weil vielen Menschen das Handy ausreicht. Wegen Flatrate-Tarifen zahlen sie für Gespräche mit dem Mobiltelefon auch nicht mehr als mit dem Festnetz-Telefon. Die Ansage „Nimm doch bitte das Festnetz“ zum Geldsparen ist überflüssig geworden.

Das Marktforschungsunternehmen INNOFACT hatte im Auftrag von Verivox im Juli 1.000 Menschen befragt, die zwischen 18 und 79 Jahre alt waren. Je älter, desto stärker ist die Festnetz-Nutzung verbreitet: Waren es bei den 18- bis 29-Jährigen nur 42 Prozent, so waren es bei den 70- bis 79-Jährigen 89 Prozent.

Nur noch jeder Zehnte nutzt das Festnetz-Telefon täglich. 39 Prozent gaben an, gar keinen stationären Telefonanschluss mehr zu nutzen. Die Hälfte davon – also gut 19 Prozent der Befragten – hat nach eigener Aussage sogar Zugriff auf eine Festnetz-Leitung, da dieser Übertragungsweg in ihrem Internetvertrag enthalten ist – sie nutzen ihn aber nicht.

Und selbst bei Festnetz-Nutzern kann es passieren, dass das Gerät zwischenzeitlich verstaubt: 18 Prozent sagten, sie würden das klassische Telefon nicht einmal „mehrmals im Monat“, sondern nur „zumindest gelegentlich“ nutzen.

Woran die Entwicklung liegt

Der Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg von Verivox begründet das sinkende Interesse mit Handytarifen, in denen es keine Extrakosten pro Gesprächsminute gibt (Flatrate) und das monatliche Datenvolumen besonders groß ist – dann kann man auch über Chatdienste auf dem Smartphone Gespräche per Audio oder Video führen, ohne befürchten zu müssen, dass das Datenvolumen bald aufgebraucht sein könnte.

Außerdem sei das Handynetz besser geworden, sagt Schamberg. „Es gibt weniger Regionen, in denen nicht stabil mit dem Handy telefoniert werden kann.“ Außerdem sieht er Folgen der schlechten Wirtschaftslage als einen weiteren Grund für den Trend weg vom Festnetz: „Wer aufs Geld achten muss, verzichtet häufiger auf einen Festnetzanschluss und erledigt so viel wie möglich via Smartphone.“

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Verivox Studie: Paypal-Alternative Wero ist den meisten Deutschen noch unbekannt

horizont.net: Zwei Jahre nach dem Wero-Start ist die europäische Paypal-Alternative zum Bezahlen den meisten Deutschen kein Begriff. Nur knapp vier von zehn Erwachsenen (39 Prozent) konnten in einer repräsentativen Umfrage für das Vergleichsportal Verivox im Juli korrekt zuordnen, dass es sich bei Wero um einen Zahlungsdienst handelt.

Fast ein Drittel (31 Prozent) der 1.002 vom Meinungsforschungsinstitut Innofact Befragten haben nach eigenen Angaben nie von Wero gehört. Knapp jedem Vierten (23 Prozent) kommt die Bezeichnung Wero zwar bekannt vor, sie konnten aber nicht sagen, worum es sich handelt. Die restlichen 7 Prozent halten Wero wahlweise für eine App zum Währungshandel, eine Geldanlage-App, eine Debit-Kreditkarte aus Holz oder einen Legitimierungsdienst.

Die Umfrage

Für die Umfrage im Auftrag von Verivox hat das Meinungsforschungsinstitut INNOFACT im Juli dieses Jahres 1.002 Erwachsene in Deutschland im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt. Die Befragten entstammen den Angaben zufolge einem ISO-zertifizierten Online-Panel mit etwa 500.000 Teilnehmenden. Die Umfrage ist demnach bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit.

Gefragt wurde u.a.:
  • „Im Sommer 2024 kam ein neues Finanzprodukt namens Wero auf den Markt. Worum handelt es sich dabei?“
  • „Haben Sie Wero schon selbst bereits ausprobiert?“

Bankeninitiative treibt Wero voran

Die European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss von Banken und Zahlungsdienstleistern, will Wero zur europäischen Paypal-Alternative ausbauen. Seit Anfang Juli 2024 ist Wero am Start und bietet nach dem Muster des US-Konkurrenten Paypal vor allem direkte mobile Geldzahlungen von Mensch zu Mensch an. Inzwischen kann der Dienst auch bei etlichen Händlern beim Einkaufen im Netz genutzt werden, ähnlich wie Kreditkarten oder Apple Pay, Google Pay, Paypal, Klarna oder andere vergleichbare Dienste.

Paypal-Alternative?

In der Umfrage bezweifelt eine Mehrheit von fast 58 Prozent, dass es gelingen wird, Wero zum beliebtesten Bezahldienst Europas auszubauen. „Echten Mehrwert bietet der Zahlungsdienst erst, wenn Verbraucher ganz selbstverständlich nahezu überall und möglichst sowohl online wie auch offline an der Ladenkasse mit Wero bezahlen können“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.

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Marktforschung 2035: Auch Marktforschung folgt dem Muster der betriebswirtschaftlichen Standardisierung – ein Fachbeitrag von Christian Thunig in marktforschung.de

marktforschung.de: Vorweg: Ein solches Special wird schon einmal gerne genutzt, um das Ende von irgendwas zu kolportieren, weil dunkel bis schwarz gerne gut ankommt und als progressiv wahrgenommen wird. Das Ende der Marktforschung, wie wir sie kennen ist dabei eine der Spielarten.

Aber das sei schon einmal vorausgeschickt. Zwar kann einem immer ein Schwarzer Schwan in die Suppe spucken, aber wir können davon ausgehen, dass Marktforschung als klassische Disziplin auch in dieser Zukunftsspanne bis 2035 eine bedeutende Rolle spielen wird. Aber sie verändert ihren Schwerpunkt. Wer auf das Jahr 2035 blickt, sollte deshalb weniger über Zäsuren in der Branche sprechen als über eine neue Verteilung der Rollen: zwischen Software und Service, zwischen internen Insight-Teams und externen Instituten, zwischen Standardisierung und Spezialisierung.

Software als neuer Wertschöpfungsmotor

Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist der steigende Anteil von Software in der Marktforschung – wohlgemerkt nicht im rein prozessualen Sinn. Dass Forschung seit Jahrzehnten digital organisiert wird, ist trivial. Neu ist vielmehr, dass in Unternehmen immer häufiger eigene, dauerhaft verfügbare Research-Plattformen bereitstehen, mit denen Fachabteilungen oder Insight-Teams Forschung selbst initiieren, aufsetzen und auswerten können.

Dass Software in der Marktforschung nicht mehr nur Werkzeug, sondern ein eigener Wertschöpfungsbereich ist, zeigt auch ESOMAR: Der Verband unterscheidet in seinen aktuellen Branchenpublikationen ausdrücklich zwischen Market Research, Research Software und Business Service (früher Reporting). Nach knapp 119 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 und 129 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 wuchs die globale Insights-Industrie 2025 auf geschätzt 166 Milliarden US-Dollar. Dabei zeigen die Zahlen, dass der klassische Bereich auch noch wächst, der Software-Bereich aber deutlich stärker. Allein 2024 auf 2025 um über elf Prozent. Market Research blieb dagegen von 2022 bis 2024 auf einem gewissen Plateau mit jeweils nur rund vier Prozent Wachstum. Reporting bzw. Business Services wuchs ebenfalls, aber deutlich weniger dynamisch als der Software-Bereich.

Das ist mehr als eine statistische Feinheit. Es ist ein Signal: Marktforschung wird zunehmend als eine Funktion verstanden, die sich technologisch verstetigt und auch in den Unternehmen selbst verankert. Schon in den Vorläuferkategorien der ESOMAR-Systematik zeigte sich die Verschiebung deutlich: 2021 entfielen global rund 39 Prozent auf klassische Marktforschung, 2025 sind es nach vorläufigen Zahlen noch rund 36 Prozent. Research Software macht dagegen knapp 42 Prozent des Gesamtkuchens der Marktforschung aus. Die Gewichtverschiebung ist also deutlich zu greifen. Flankierend sei auch folgende Befragung zitiert: In einer Studie des BVM aus dem November 2025 gaben über 54 Prozent der befragten 217 betrieblichen Marktforscherinnen und Marktforscher an, Studien in Eigenregie, also DIY-Studien durchzuführen. Hier braucht es Marktforschungssoftware in Unternehmen.

Total turnover of the industry with the breakdown for the three sectors

Year Total turnover in US$ b Market Research in US$ b Research Software in US$ b Business services (Formerly reporting) in US$ b
2021 119 46 44 28
2022 133 52 50 31
2023 142 54 56 33
2024 153 56 62 35
2025* 166 60 69 37

Quelle: Esomar (* Preliminary figures – final numbers in Global Market Research 2026 coming out in mid-September.)

Das Muster betriebswirtschaftlicher Standardisierung

Das ist keine Anomalie in der Gesamtentwicklung, sondern folgt einem bekannten Muster betriebswirtschaftlicher Entwicklung. Nahezu jede Unternehmensfunktion hat in den vergangenen Jahrzehnten ihre spezifischen Software-Standards ausgebildet. Im Finanz- und Controllingbereich prägten ERP- und Planungssysteme wie SAP die Prozesse. Im Personalwesen etablierten sich HR-Suiten wie Workday, SAP SuccessFactors oder im deutschsprachigen Raum auch Lösungen aus dem Haufe-Umfeld. Im Marketing wurden CRM-Systeme wie Salesforce oder Oracle sowie Plattformen wie Adobe Experience Cloud zu organisatorischen Klammern des Arbeitsalltags – und haben nebenbei die Bedeutung der jeweiligen Abteilungen gestärkt. Software hat diese Disziplinen also nicht nur nicht ersetzt – sie hat ihre Abläufe standardisiert, beschleunigt und stärker in die Organisation integriert und Arbeit in skalierbare Routinen übersetzt. Genau an diesem Punkt steht nun auch die Marktforschung.

Laut Qualtrics nutzen oder testen inzwischen 95 Prozent der Marktforschenden regelmäßig KI-Tools. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, wie schnell sich Arbeitsweisen im Alltag verschieben. Man kann sicherlich feststellen: „Do it yourself“ ist keine Randerscheinung mehr, sondern ein strukturelles Modell. So wie heute niemand mehr überrascht ist, dass Finanzabteilungen mit ERP-Systemen arbeiten oder Marketing-Teams Kampagnen in ihrer eigenen Tech-Umgebung aufsetzen, wird auch Marktforschung in vielen Unternehmen als interne Plattformkompetenz selbstverständlich werden.

Was das für externe Anbieter bedeutet

Für die Branche heißt das: Wertschöpfung wandert teilweise in die Unternehmen hinein, weil dort mit Plattformen, Dashboards und KI-gestützten Workflows mehr Forschung eigenständig durchgeführt werden kann. Vor allem einfache bis mittelkomplexe Studiendesigns – Tracker, Concept Checks, Usage-&-Attitude-Studien, schnelle Zielgruppenabfragen – lassen sich so intern organisieren.

Damit wächst Marktforschung nicht weniger, sondern anders. Die operative Durchführung standardisierbarer Forschung wird stärker „softwareisiert“. Externe Anbieter müssen sich deshalb neu schärfen: Gefragt scheinen künftig vor allem zwei Typen von Anbietern: erstens hoch spezialisierte Partner für komplexe Forschungsdesigns, heikle Zielgruppen, methodisch anspruchsvolle Fragestellungen oder strategisch sensible Entscheidungen. Zweitens Anbieter, die Forschung in skalierbare Produkte, Plattformen und automatisierte Lösungen übersetzen.

Beides setzt voraus, dass Institute den Einsatz von Technologie nicht nur behaupten, sondern virtuos beherrschen. Sie müssen zeigen, dass sie IT-Tools entweder für besondere Komplexität oder für besondere Effizienz einsetzen können: also entweder bessere Antworten liefern oder dieselben Antworten deutlich schneller und kostengünstiger erzeugen. Der klassische Mittelbereich gerät sicherlich stärker unter Druck. Wer weder technologische Effizienz noch besondere methodische Tiefe bietet, wird es schwerer haben, seine Position zu verteidigen.

KI als Beschleuniger – nicht als Ersatz

Künstliche Intelligenz wirkt in diesem Prozess als Beschleuniger. Sie senkt Eintrittsbarrieren, weil sie Fragebögen, Auswertungsschritte, Textkodierung, Zusammenfassungen und erste Hypothesenbildung automatisiert. In der Konsequenz kann heute schon ein kleines Team zugespitzt formuliert zur „eigenen kleinen Mafo-Abteilung“ werden. Doch genau hier liegt auch eine wichtige Grenze: KI ersetzt nicht die Marktforschung, sondern verschiebt ihren Schwerpunkt. Je stärker Routinearbeiten automatisiert werden, desto wichtiger werden Hypothesenstärke, methodische Urteilskraft, Stichprobenverständnis, Bias-Kontrolle und strategische Einordnung. Die Forscherin oder der Forscher der Zukunft wird weniger Datenproduzent und stärker Kurator, Methodenarchitekt und Interpret (siehe auch BVM-Kongress 2026 (Human–AI Fusion: Warum qualitative Forschung im KI‑Zeitalter zum neuen Handwerk wird). Gute Forschung braucht weiterhin sauberes Design, ein Verständnis von Stichproben, Verzerrungen, Kausalität und Kontext. Die eigentliche Verschiebung liegt daher weniger darin, dass Menschen überflüssig werden, sondern darin, dass sich ihre Arbeit verlagert – weg von Routinetätigkeiten, hin zu Konzeption, Qualitätssicherung und strategischer Interpretation.

Und noch ein kleiner Exkurs: Trotz aller Euphorie über synthetische Daten und agentische Systeme wird auch 2035 ein Grundsatz gelten: Die Befragung echter Menschen bleibt das methodische Fundament der Branche. Die Diskussion zeigt, dass es auch in Zukunft keinen völligen Ersatz realer Primärdaten geben kann, sondern dass sie als Erweiterung des methodischen Instrumentariums betrachtet werden müssen. Synthetische Daten können Prozesse beschleunigen, Szenarien simulieren und gelegentlich Kosten senken. Sie brauchen jedoch reale Daten als Trainings-, Kalibrierungs- und Validierungsbasis. Die Befragung echter Probandinnen und Probanden bleibt deshalb auf absehbare Zeit das methodische Fundament.

Marktforschung bleibt – nur ihr Zentrum verlagert sich

Deshalb wird auch die klassische (Online-)Befragung nicht so schnell verschwinden. Im Gegenteil: Gerade, weil sie einfach, schnell, vergleichsweise kosteneffizient und in digitale Abläufe hervorragend integrierbar ist, passt sie ideal in das Zielbild beschleunigter Unternehmensprozesse und moderner Research-Organisationen.

Was sich ändern wird, ist nicht ihr Grundprinzip, sondern ihre Einbettung: bessere Automatisierung, stärkere Qualitätssicherung, intelligentere Stichprobensteuerung, engere Verzahnung mit CRM-, Experience- und Analytics-Systemen. Auch Panelanbieter und Sample-Plattformen werden sich entlang dieser Anforderungen weiterentwickeln – technologisch, qualitativ und regulatorisch.

Der Blick auf 2035 führt damit zu einer klaren Diagnose: Die Gewichte in der Marktforschung verschieben sich. Mehr Research wird in Unternehmen selbst stattfinden. Mehr Wert wird in Software, Plattformen und KI-gestützten Workflows entstehen. Und externe Institute werden ihren Platz vor allem dort behaupten, wo Komplexität, methodische Exzellenz und Beratungstiefe gefragt sind. Die Zukunft der Marktforschung ist deshalb hybrider, softwarelastiger und organisatorisch näher am Unternehmen als je zuvor. Genau darin liegt ihr nächster Evolutionsschritt.

Quellen

  1. ESOMAR, Global Research Report 2025 und Outlook auf 2026 (Mail vom 31.07.2026)
  2. Kongress der Deutschen Marktforschung 2026, Human–AI Fusion: Warum qualitative Forschung im KI‑Zeitalter zum neuen Handwerk wird; Autoren: Dr. Anita Petersen und Nayeli Tusche (https://www.bvm.org/jahrbuch-der-marktforschung/branchen-insights/artikelseite/human-ai-fusion-warum-qualitative-forschung-im-ki-zeitalter-zum-neuen-handwerk-wird/ )
  3. Jahrbuch der Marktforschung Schwerpunkt „Stichprobenqualität, Andreas Knappstein, Oliver Frangakos, Dr. Holger Liljeberg 2026: https://www.bvm.org/jahrbuch-der-marktforschung/branchen-insights/artikelseite/mensch-vs-bot-wie-ki-die-stichprobenqualitaet-sichert-und-marktforschung-revolutioniert/
  4. Wie gestaltet sich der Alltag von betrieblichen MarktforscherInnen? Ergebnisse einer quantitativen Umfrage im November 2025; Autor: Prof. Dr. Matthias Fank

Über die Person

Christian Thunig, Managing Partner INNOFACT AG

Christian Thunig ist Managing Partner bei der INNOFACT AG. Schwerpunkte seiner Arbeit sind Markenführung und Medien. Zuvor war der diplomierte Kaufmann 17 Jahre bei der Verlagsgruppe Handelsblatt. Er ist im Herausgeberbeirat der Plattform marktforschung.de und im Vorstand des BVM, des Berufsverbands Deutscher Markt und Sozialforscher e.V. Er ist leidenschaftlicher Musiker und spielt Schlagzeug in mehreren Bands.

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Comparis Studie: Schweizer fliegen und kaufen ohne Rücksicht aufs Klima

nau.ch: Der Klimawandel wirkt sich laut einer repräsentativen Comparis-Umfrage kaum auf das Konsum- und Anlageverhalten der Schweizer Bevölkerung aus. 34 Prozent der Befragten gaben an, die Klimadebatte beeinflusse ihre Entscheidungen gar nicht, weitere 46 Prozent sprachen von einem geringen Einfluss.

Nur bei 20 Prozent wirke sich die Debatte auf Kauf- und Anlageentscheide aus, teilte der Vergleichsdienst am Dienstag mit. Das sei deutlich weniger als noch während der Corona-Pandemie. Und der Wert für «gar keinen Einfluss» habe sich seit der ersten Erhebung 2019 fast verdoppelt: Seinerzeit lag er noch bei 18 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur 20 Prozent der Schweizer lassen sich laut Comparis von der Klimadebatte beeinflussen.
  • Der Anteil ohne Einfluss hat sich seit 2019 von 18 auf 34 Prozent fast verdoppelt.
  • Trotzdem stieg Fleischkonsum und Flugverkehr real weiter an, wie Statistiken zeigen.

Bei Personen mit einem Bruttohaushaltseinkommen bis 4000 Franken gaben 75 Prozent an, die Klimadebatte habe keinen oder höchstens einen geringen Einfluss auf ihre Entscheidungen. Bei Gutverdienenden mit über 8000 Franken Haushaltseinkommen lag dieser Anteil mit 84 Prozent gar noch höher.

Weniger Fleisch? Von wegen!

Haushalte mit Kindern zeigten sich hingegen klimabewusster als kinderlose Haushalte: 74 Prozent der Befragten mit Kindern massen der Klimadebatte einen geringen bis sehr grossen Einfluss bei. Bei Haushalten ohne Kinder waren es nur 62 Prozent.

Von jenen, die der Klimadebatte mindestens einen geringen Einfluss zuschreiben, gaben 40 Prozent an, weniger Fleisch und tierische Produkte zu konsumieren. 36 Prozent sprachen von Einschränkungen bei Flugreisen.

Die amtliche Statistik zeichnet laut Comparis hingegen ein anderes Bild: Der Fleischkonsum pro Kopf stieg von 48 Kilogramm (2023) auf 51 Kilogramm (2025) und blieb seit 2019 im Schnitt bei rund 50 Kilogramm.

Und die Zahl der Lokalpassagiere am Flughafen Zürich erreichte mit 23,2 Millionen im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert, nach 22,2 Millionen im Jahr 2019.

Die Befragung wurde im Juli 2026 durch das Marktforschungsinstitut INNOFACT im Auftrag von Comparis unter 1040 Personen durchgeführt.

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LZ Studie: Kunden schätzen Sonder-Editionen

Limited Editions sollen Aufmerksamkeit erregen und Kaufanreize setzen. Unter welchen Voraussetzungen das tatsächlich passiert und welche Produktgruppen sich am ehesten eignen, zeigt eine Studie von INNOFACT.

Limited Editions haben sich im Lebensmittelregal zu einem von der FMCG-Industrie gerne gewählten Sortimentsimpuls entwickelt. Viele Verbraucher haben schon einmal bei den Sondergrößen oder Geschmacksvarianten von Produkten zugegriffen. In Zahlen ausgedrückt haben 55,4 Prozent der Befragten einer repräsentativen Studie von INNOFACT mindestens einmal ein zeitlich oder zahlenmafig begrenzt verfügbares Produkt im Lebensmittelbereich gekauft. Das teilen die Düsseldorfer Marktforscher mit. 22 Prozent stellen
demnach einen Einfluss auf ihr Kaufverhalten fest, und knapp ein Drittel empfindet den Einkauf als spannender, wenn es um einen limitierten Artikel geht. Knapp 40 Prozent seien bereit, für diese Produkte mehr zu bezahlen.

INNOFACT versteht unter Limited Editions zeitlich oder in der Menge begrenzte Varianten innerhalb derselben Marke und Produktkategorie, die sich sichtbar von der Standardversion abheben. Im Food-Handel seien das etwa spezielle Sorten, saisonale Geschmacksrichtungen oder aufmerksamkeitsstarke Sonderverpackungen. Die
Marktforscher haben im Juni 1022 Verbraucher repräsentativ dazu befragt. Am häufigsten griffen die Befragten der Untersuchung zufolge zu Limited Editions von süßen oder salzigen
Snacks, die mit 75,4 Prozent die Liste der Produktkategorien anführen. Mit deutlichem Abstand folgen Mopro-Artikel aus dem Kühlregal (36,0 Prozent), alkoholfreie Getränke (33,0 Prozent) und alkoholhaltige Getränke (29,3 Prozent). Ware aus dem Frühstückssortiment wie Aufstriche sowie Heißgetränke kommen auf 28,3 Prozent, Tiefkühlprodukte auf 26,9 Prozent. Abgeschlagen rangieren Konserven und Grundnahrungsmittel wie Nudeln mit 10,6 Prozent auf dem letzten Platz.

Der Blick auf die Geschlechterverteilung offenbart dabei laut INNOFACT deutliche Unterschiede in der Akzeptanz und im Kaufverhalten. Frauen zeigten sich gegenüber Limited Editions deutlich aufgeschlossener als Männer. Während knapp die Hälfte der Männer (49,7 Prozent) angibt, schon einmal eine Sonderverpackung gekauft zu haben, liege dieser Anteil bei den Frauen mit 61 Prozent signifikant höher. Und auch jüngere Verbraucher sprechen besonders auf die Spezial-Editionen an; in der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen haben bereits zwei Drittel der Befragten (66,4 Prozent) bei einem begrenzt verfügbaren Artikel zugegriffen. Mit zunehmendem Alter sinke die Kaufbereitschaft tendenziell aber: Bei den 35- bis 54-Jährigen seien es rund 61 Prozent, während sie bei den 55- bis 69-Jährigen auf 40 Prozent falle, heißt es.

Für die jungen Konsumenten spielt der psychologische Faktor dabei eine entscheidende Rolle. Denn sie stimmen der Aussage, dass Limited Editions den Einkauf spannender machen,
deutlich häufiger zu (40,2 vs. 31,7 Prozent im Gesamtdurchschnitt Top-2-Box). Zudem ist die Sorge, etwas zu verpassen, in dieser Gruppe am stärksten ausgepragt. ,Gerade wenn es um die Verjüngung der Marke geht, können Limited Editions ein spannender Hebel sein“, rät deshalb Christian Thunig, Managing Partner vom durchführenden Institut INNOFACT.

Die stärkste Kaufmotivation über alle Befragten hinweg ist laut der Studie die Neugier auf neue Sorten oder Geschmacksrichtungen (64,6 Prozent). Daneben motivierten Mehrwerte wie Exklusivität und Einzigartigkeit (31,1 Prozent), eine auffällige Verpackung (25,2 Prozent) sowie die Marke (22,1 Prozent) die teilnehmenden Verbraucher zum Kauf. Am beliebtesten bei limitierten Sonderprodukten sind laut der Umfrage Bonusmengen beziehungsweise ein größerer Inhalt (63,6 Prozent). Mit Abstand folgen saisonale Produkte (54,4 Prozent), neue Geschmacksvarianten (52,7 Prozent) und Mix-Editionen mit mehreren Geschmacksrichtungen (50,6 Prozent). Weniger gefragt sind dagegen Produkte mit besonderen oder ungewöhnlichen Zutaten (39,8 Prozent) oder regionale Editionen beziehungsweise Produkte mit Länderbezug (36,9 Prozent).

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