AutoScout24 Studie: Tempo 130 auf Verhandlungsbasis – Deutsche Autofahrer zeigen sich kompromissbereit
autoscout24.de: Wer mit dem Auto in den Sommerurlaub fährt, begegnet in zahlreichen europäischen Ländern Tempolimits von 120 oder 130 Kilometern pro Stunde. In Deutschland wird über eine generelle Begrenzung auf Autobahnen weiterhin kontrovers diskutiert. Doch unter welchen Bedingungen wären Autofahrer überhaupt bereit, ihre Haltung zu überdenken? Würden finanzielle Entlastungen überzeugen oder eher Lockerungen bestehender Verkehrsregeln?
Eine repräsentative INNOFACT Umfrage im Auftrag von AutoScout24 zeigt nun, dass die Positionen vieler Autobesitzer differenzierter ausfallen als ein einfaches Ja oder Nein: Für 49,8 Prozent der Befragten käme mindestens eine der abgefragten Gegenleistungen infrage, um ein generelles Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde zu akzeptieren. Weitere 31,1 Prozent befürworten Tempo 130 bereits heute und benötigen dafür keine Gegenleistung. 16,5 Prozent lehnen das Tempolimit dagegen grundsätzlich ab und würden sich durch keine der genannten Maßnahmen umstimmen lassen.
Tempolimit 130: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Umfrage
Beim möglichen Tauschgeschäft rund um Tempo 130 steht für die Befragten der finanzielle Nutzen im Vordergrund. Am häufigsten wird dauerhaft günstigerer Kraftstoff genannt: 34,2 Prozent würden ein generelles Tempolimit akzeptieren, wenn Benzin und Diesel im Gegenzug dauerhaft günstiger würden. Eine Senkung der Kfz-Steuer folgt mit 29,3 Prozent auf dem zweiten Platz. Kostenloses Parken in Innenstädten könnte 19,0 Prozent überzeugen. Weitere 17,7 Prozent nennen die vollständige Investition der Einnahmen aus Verkehrssteuern in Straßen und Brücken. Dauerhaft günstigere Preise an öffentlichen Ladesäulen erreichen Zustimmung bei 7,8 Prozent.
Sicherheit bleibt nicht verhandelbar
Deutlich geringeren Zuspruch erhalten Lockerungen bestehender Verkehrsregeln. Die legale Nutzung von Blitzer Apps nennen 9,8 Prozent, eine Reduzierung stationärer Blitzer 6,0 Prozent. Erlaubtes Rechtsüberholen auf Autobahnen könnte 3,5 Prozent überzeugen. Eine Anhebung der Promillegrenze auf 0,8 Promille sowie die Nutzung des Handys an roten Ampeln kommen jeweils auf 2,5 Prozent. Die generelle Bedienung des Handys während der Fahrt erreicht lediglich 1,4 Prozent.
„Die Debatte um Tempo 130 wird häufig als starres Dafür oder Dagegen geführt. Dabei wären viele deutsche Autofahrer durchaus kompromissbereit. Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Fronten weniger verhärtet sind, als die öffentliche Diskussion oft vermuten lässt. Wer Einschränkungen einführt, muss dafür aber auch einen spürbaren Mehrwert schaffen. Dass finanzielle Entlastungen deutlich häufiger überzeugen als Lockerungen der Verkehrsregeln, ist angesichts der wirtschaftlichen Lage nicht überraschend. Gleichzeitig ist es ein gutes Zeichen, dass die meisten Autofahrer bei der Verkehrssicherheit klare Grenzen ziehen“, sagt Stefan Schneck, Deutschland Vertriebschef bei AutoScout24.
Jüngere sind häufiger durch Gegenleistungen erreichbar
Besonders ausgeprägt ist die Bereitschaft zu einem Tauschgeschäft bei den jüngeren Befragten. Unter den 18 bis 29 Jahre alten Autobesitzern käme für 65,5 Prozent mindestens eine der genannten Maßnahmen infrage. Bei den 50 bis 65 Jahre alten Befragten liegt dieser Anteil bei 39,6 Prozent. Auch bei den konkreten Maßnahmen zeigt sich dieses Altersmuster. Dauerhaft günstigeren Kraftstoff nennen 44,2 Prozent der 18 bis 29 Jahre alten Befragten, gegenüber 27,5 Prozent in der ältesten Gruppe. Legale Blitzer Apps erreichen bei den Jüngeren 17,6 Prozent, bei den 50 bis 65 Jahre alten Befragten 5,8 Prozent. Umgekehrt befürworten ältere Autobesitzer Tempo 130 häufiger bereits ohne Gegenleistung. Bei den 50 bis 65 Jahre alten Befragten sind es 40,3 Prozent. In der Gruppe zwischen 18 und 29 Jahren liegt der Anteil bei 19,4 Prozent.
Männer lassen sich seltener überzeugen
Während Frauen und Männer bei der Bereitschaft, Tempo 130 gegen mindestens eine Gegenleistung zu akzeptieren, nahezu gleichauf liegen (50,1 gegenüber 49,5 Prozent), unterscheiden sie sich deutlich in ihrer Ausgangshaltung. 34,9 Prozent der Frauen befürworten Tempo 130 bereits heute und benötigen dafür keine Gegenleistung. Bei den Männern sind es 27,4 Prozent. Gleichzeitig geben Männer deutlich häufiger an, dass keine der abgefragten Gegenleistungen ihre Meinung ändern würde. Dieser Anteil liegt bei 20,8 Prozent, bei den Frauen dagegen lediglich bei 12,2 Prozent.
Je höher das Einkommen, desto seltener braucht es Gegenleistungen
Auch beim Einkommen zeigen sich Unterschiede. Während Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 3.800 Euro ein Tempolimit häufiger bereits heute befürworten (35,1 Prozent), sind es in der Einkommensgruppe zwischen 1.500 und unter 2.000 Euro lediglich 22,1 Prozent. Umgekehrt spielen finanzielle Gegenleistungen bei niedrigeren und mittleren Einkommen eine größere Rolle. Besonders häufig werden dort dauerhaft günstigere Kraftstoffpreise (43,1 Prozent) sowie eine niedrigere Kfz-Steuer (34,1 Prozent) genannt. Bei den einkommensstärksten Haushalten liegen die entsprechenden Werte mit 29,4 beziehungsweise 27,8 Prozent deutlich niedriger.
Über die Umfrage
Für die vorliegende Studie befragte die INNOFACT AG im Auftrag von AutoScout24 im Juni 2026 insgesamt 1.082 Autohalterinnen und Autohalter im Alter von 18 bis 65 Jahren in Deutschland. Die Befragung wurde online durchgeführt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für deutsche Autohalterinnen und Autohalter dieser Altersgruppe. Bei den Einzelmaßnahmen waren Mehrfachnennungen möglich. Der Wert von 49,8 Prozent bezeichnet den zusammengefassten Anteil der Befragten, für die mindestens eine der abgefragten Gegenleistungen infrage käme. Er darf daher nicht mit den Einzelwerten addiert werden. Die Untergruppen weisen unterschiedliche Fallzahlen auf. Regionale Ergebnisse und kleinere Teilstichproben sind daher als Tendenzaussagen zu verstehen.


